„Kabarett, Kabarett“ auf dem DOK.fest

Während des 25 Münchner DOK.festes hatte am  Sonntag, den 10. Mai 2010 der Film „Kabarett, Kabarett“ von Josef Rödl Premiere  im Kino Arri.
Im Film äußerten sich Sigi Zimmerschied, Dieter Hildebrandt, Luise Kinseher, Josef Hader, Georg Schramm, Frank-Markus Barwasser, Ottfried  Fischer, Simone Solga, Django Asül, Urban Priol, Gerhard Polt, Bruno Jonas, Henning Venske, Jochen Busse, Matthias Deutschmann, Martin Puntigam, Josef Pretterer, Peter Sodann, Ernst Röhl und Werner Fink. über den Zustand des politischen Kabaretts und die Frage, ob Kabarett etwas in der Gesellschaft verändern kann.
Es ging um Kabarett in der Zeit des Hitlerfaschismus, in der damaligen und heutigen BRD, der DDR sowie a bisserl Österreich.

„In den Medien wird ständig eine andere Sau durchs Dorf getrieben, der gute Kabarettist beschreibt das, der schlechte setzt sich drauf und reitet mit.“ so Josef Hader im Film.

In fiesen Kalter-Krieg-Zeiten wurde auf beiden Seiten der deutschen Mauer zensiert, Texte gestrichen und sich gegenseitig geärgert.
Gerhard Polt wurde gezeigt, wie er 1979 während einer ZDF-Live-Sendung 25 Minuten auf der Bühne steht und schweigt, (1) weil ihm Bemerkungen über Old Schwurhand  (Friedrich Zimmermann) (2) vom ZDF untersagt wurden.
Nach dem Platzen der Sendung „Einwürfe aus der Kulisse“ gab es im ZDF 25 Jahre lang keine politische Kabarett-Sendung mehr. „Neues aus der Anstalt“ hat diese Zeit gerächt. Urban Priol – im wahren Leben mit irritierend ordentlicher Frisur – erzählte, dass sie heute bei der Sendung völlig freie Hand hätten.
Jochen Busse meinte, dass die Mächtigen mittlerweile begriffen hätten, dass Zensur nur den Zensierten nützen würde.
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Die „Kabarett, Kabarett“-Talkrunde
Von links nach rechts: Josef Rödl, Dieter Hildebrandt, Daniel Sponsel, Peter Sodann, Martin Puntigam

dk_jrdk_psIm anschließenden Gespräch auf der Arri-Bühne saßen neben dem Regisseur und Autor Josef Rödl und dem künstlerischen Leiter des DOK.festes 2010 Daniel Sponsel als Moderator die Kabarettisten Dieter Hildebrandt, Peter Sodann und Martin Puntigam. Der letzere war für den (wirklich!) erkrankten Sigi Zimmerschied eingesprungen.
Als gemeinsames Gespräch funktionierte die Talkrunde nicht. Hildebrandt und Sodann monologisierten.
dk_dhdk_mpGibt es Tabuthemen? Wer darf unter welchen Umständen wo auftreten? Muss Peter Sodann so oft erzählen, dass er im Gefängnis war? Was ist „schlimmer“: Zensur oder Selbstzensur? Hilft das Ausüben von Selbstzensur, um ins Fernsehen zu kommen?
Dieter Hildebrandt ließ sich gegen Ende des Abends dann doch noch auf eine Art Dialog mit Martin Puntigam ein. Puntigam brillierte intelligent und gewitzt.
Fotos: DOK.fest
Quellenangaben:
(1) „1979 kürzen Redakteure einen TV-Beitrag Polts, der darin Friedrich Zimmermann „Old Schwurhand“ nennt, eine Anspielung auf einen Meineid des späteren Bundesinnenministers. Polt rächt sich für die Zensur ein Jahr später, als ihm der Deutsche Kleinkunstpreis verliehen wird. Im ZDF soll er eine Rede dazu halten. Das Ergebnis: 25 Minuten Schweigen oder Sätze wie „Fünf Minuten sind schon vorbei, jetzt kommen noch mal fünf Minuten“.“
Quelle: www.br-online.de
(2) 1960 wurde er [Friedrich Zimmermann] aufgrund eines Meineides im Zusammenhang mit der bayerischen  Spielbankenaffäre verurteilt, schließlich aber 1961 anhand eines medizinischen Gutachtens freigesprochen, das ihm für den Zeitpunkt des Eides eine verminderte geistige Leistungsfähigkeit aufgrund einer Unterzuckerung bescheinigte. Die Verurteilung trug ihm jedoch den Spitznamen „Old Schwurhand“ ein. Aufgrund der Affäre wurde er auch in Anspielung auf das gleichnamige Volksstück von Ludwig Anzengruber „Der Meineidbauer“ genannt, was Zimmermann aber gerichtlich untersagen ließ. Der bayerische Liedermacher Hans Söllner nahm den Meineidskandal zum Anlass, dem CSU-Politiker das Protestlied Marihuana fürn Herrn Zimmermann zu widmen.
Quelle:  http://de.wikipedia.org