Und? Wer zahlt’s?
Eine Sendereihe von und mit Postwachstumsökonom Prof. Dr. Dr. Helge Peukert und Buchautor Ulrich Seibert
Sendung am Mittwoch, 15.04.2026 um 21:00 Uhr.
Wiederholungen: Do., 16.04., 06:00 Uhr und 15:00 Uhr (DAB+ und Livestream), Sa., 18.04., 20:00 Uhr und So., 19.04. um 11:00 Uhr (beide nur im Livestream)
Rechtspopulismus ist kein neues Phänomen, ganz im Gegenteil. Rechtspopulismus ist der lebendige Ausdruck eines bereits Jahrhunderte andauernden Kulturkampfes, eines Kampfs um Macht und Privilegien, insbesondere für die Dominanz von weißen Patriarchen, die sich dem christlichen Glauben zurechnen, über alle, die eben nicht weiß sind … oder christlich geprägte Männer. Eigentlich könnten wir deshalb, weil es diesen Kulturkampf schon so lange gibt, mittlerweile wissen, dass daraus für die große Mehrheit der Bevölkerung eines oder mehrerer Länder noch nie irgendwas Gutes erwachsen ist. Ist den Unterstützern oder den Indifferenten aber scheinbar egal. Oft wird dieser Kulturkampf verschämt getarnt, wie beispielsweise in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, in der es heißt: „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.“ – Wir halten diese Wahrheiten für unbestreitbar, dass alle Männer (üblicherweise wird an dieser Stelle „Menschen“ statt „Männer“ übersetzt; warum das offensichtlich falsch ist, dazu gleich mehr) gleich geschaffen wurden und dass ihr Schöpfer sie mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet hat, darunter Leben, Freiheit und die Suche nach Erfüllung.
Gleichwohl – die Realität sieht teilweise bis heute anders aus: Diese unveräußerlichen Rechte galten beispielsweise nicht für Frauen, die in den USA erst nach langen Kämpfen ab 1920 das Wahlrecht erhielten. Sie galten auch nicht für Native Americans oder gar Sklaven. Sie galten ausschließlich für mehr oder weniger christliche weiße Männer (mit einem gewissen Mindest-Einkommen/-Vermögen, wie man hinzufügen könnte). Zwar wurden seitdem viele zivilisatorische Fortschritte erkämpft, doch ist mittlerweile eine Front mit breiter Unterstützung dabei, viele dieser Fortschritte, wie beispielsweise die noch immer nicht vollständig umgesetzte Gleichstellung der Frau, rückabzuwickeln. Ob das hilfreich ist angesichts einer Menschheit, die vor existenziellen Problemen steht (Klimawandel, Ressourcenraubbau, Artensterben, Umweltzerstörung etc.), die, wenn überhaupt, wirklich nur durch globale Zusammenarbeit zwischen allen Ethnien, Hautfarben, Religionen, Geschlechtern etc. noch gelöst werden könnten, darf getrost bezweifelt werden. Statt dessen scheint insbesondere der Westen, allen voran die USA, ganz versessen darauf, ihre Wünsche und Privilegien mit Drohungen und/oder Waffengewalt durchzusetzen. Alles die Schuld von Donald Trump? Damit würde man es sich zu einfach machen. Donald Trump ist das Symptom, nicht die Krankheit! Denn die Krankheit hat weite Teile der Welt erfasst, in denen Donald Trump nicht Präsident ist, man denke an Ungarn, Italien, Russland und – neben vielen anderen natürlich – auch an uns.
Rechtspopulisten sind auch hierzulande längst keine unbedeutende Minderheit mehr und wir haben heute einen Bundeskanzler und eine Bundesregierung, die Forderungen von Rechtsextremen übernimmt und diese damit lieber adelt, anstatt sie zu bekämpfen. Aber … warum sind Rechtsextreme oder Rechtspopulisten heute wieder so stark im Aufwind? Woher kommt dieser Zorn gegen Demokratie und die zivilisatorischen Fortschritte insbesondere der letzten hundert Jahre? Hat das womöglich auch etwas mit unserem Wirtschaftssystem oder der Wirtschaftspolitik in unserem Land oder der EU – oder der Welt – zu tun?
Helge Peukert hat letztes Jahr ein Buch dazu veröffentlicht (Helge Peukert: Rechtspopulismus. Warum? – Eine linksgrüne Streitschrift mit einer Postwachstums-Alternative; Metropolis-Verlag, Marburg, 2025).


Anlass genug, ihn nach seinen Erkenntnissen zu diesen Fragen zu fragen. In Teil 1 (diese Sendung) werden wir auf die Definition von Rechtspopulismus eingehen und die Ursachen ansprechen, die Peukert im Zuge seiner Analyse herausgearbeitet hat. In Teil 2 (am 20. Mai) geht es dann um Aspekte der Sozio- und Evolutionspsychologie, durch die erklärt werden kann, warum Rechtspopulismus solch einen unglaublichen Zulauf finden kann und um die Frage, warum die Postwachstumsökonomie einen Ausweg aufzeigen kann.
Außerdem gibt es natürlich Musik, dieses Mal von der Raffaele Quarta Band, Lynch Mob und War.
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