Bargeld

Und? Wer zahlt's?
Und? Wer zahlt's? - Die Sendereihe über Hintergründe und Zusammenhänge in Wirtschaft und Wirtschaftspolitik (Bild KI-generiert), von und mit Prof. Dr. Dr. Helge Peukert und Ulrich Seibert

Und? Wer zahlt’s?


Nur Bares ist Wahres! … lautet ein alter Volksmund-Spruch. Die Betonung liegt auf „alter“. Denn mittlerweile hat sich viel getan. Es gibt unglaublich viele Anbieter verschiedener Formen digitalen Gelds, mit denen sich der Bezahlvorgang deutlich schneller und bequemer abwickeln lassen. Bargeld kann verloren gehen, man kann – was Taxigäste in manch einem Land verinnerlicht haben – nicht beim Wechselgeld übers Ohr gehauen werden, wenn man digital bezahlt. Jemanden, der kein Bargeld dabei hat, auszurauben, dürfte sich auch als deutlich schwieriger erweisen als jetzt. Und – gebt es ruhig zu! – seid ihr an der Supermarktkasse nicht auch manchmal genervt von dem kurzsichtigen Opa, der geschlagene fünf Minuten in seiner Geldbörse herumkramt, bis er endlich den passenden Betrag beisammen hat, fünf Minuten auf Kosten der Dauer der eigenen Mittagspause?

Wir brauchen in der heutigen Zeit doch sowieso digitales Geld, schon allein, um überhaupt im Versandhandel einkaufen zu können … oder wenn wir Geld ins Ausland verschicken oder auf Geld aus dem Ausland angewiesen sind. Warum machen wir uns das Leben dann nicht deutlich einfacher, indem wir auf das Bargeld gleich ganz verzichten? Zumal das zudem im Interesse sehr vieler, sagen wir mal, Instanzen liegt.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, es gibt eine weltweite Allianz von Akteuren, die das Bargeld lieber heute als morgen abschaffen würden, darunter Zentralbanken, Banken, Regierungen, Geheimdienste und … weite Teile der Industrie und Finanzmärkte. Hier findet ihr einen Überblick über die Liste derer, die sich für die Abschaffung des Bargelds stark machen. Und wenn solch illustre Damen und Herren sich zusammentun für eine gesellschaftliche Neuausrichtung, dann sollten bei uns Bürger*Innen sämtliche Alarmglocken schellen.

Auch wenn das jetzt zynisch und vorurteilsbehaftet, also überspitzt, formuliert war, die Abschaffung von Bargeld hätte tatsächlich ganz gravierende, potenziell hoch-riskante Auswirkungen auf unser aller Leben und womöglich Überleben. Hier ein paar Stichworte:

  • Anonymität: Bargeld ist das einzige wirklich anonyme Zahlungsmittel. Bitcoin etc. wird zwar auch Anonymität nachgesagt … und doch konnten Strafverfolgungsbehörden dank des Blockchain-Verfahrens wiederholt Bitcoin-Zahlungsströme zu Zahlendem und Zahlungsempfänger zurückverfolgen.
  • Mit Bargeld ist man unabhängig von der Funktionsweise von Geräten und Verfahren (z.B. Stromausfall, Sanktionen z.B. der US-Regierung gegen europäische Finanzakteure)
  • Debanking ist eine Gefahr, mit der heute schon unliebsame Organisationen und Einzelpersonen konfrontiert sind, wie z.B. der Fall von Hüseyin Doğru Ende Juni 2026 gezeigt hat (vgl. z.B. auch https://www.cato.org/policy-analysis/understanding-debanking-evaluating-governmental-operational-political-religious#governmental-debanking oder https://www.cato.org/blog/emergencies-act-after-two-years)
  • Nicht zu vergessen: Ohne Bargeld droht eine Enteignung insbesondere von Kleinsparern über Negativ-Zinsen, wie wir sie schon zu Corona-Zeiten erlebt haben. Solche Negativ-Zinsen sind ausgesprochen praktisch für z.B. hochverschuldete Regierungen, die, anstatt Zinsen bezahlen zu müssen, für ihre Schulden plötzlich Zinsen bekommen. Und die lassen sich prima durchsetzen, wenn es kein Bargeld mehr gibt; denn momentan kann und wird jeder, dessen Bankkonto von Negativzinsen betroffen ist, sich das Geld lieber in bar auszahlen lassen, um dieser Belastung zu entgehen. Doch was, wenn es gar kein Bargeld mehr gibt?

Eigentlich ist der Kampf um den Erhalt des Bargelds eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, doch fast alle Parteien drücken sich angesichts der existierenden Roadmap und der bereits laufenden Salamitaktik zur letztendlichen Bargeldabschaffung darum, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen.

Podcast-Version (ohne Musik) der Sendung „Bargeld“ vom 19.8.2026. Laufzeit: 49 min.

Über Ulrich Seibert 87 Artikel
Redaktion "Die Diktatur des Monetariats"