Externe Effekte

Und? Wer zahlt's?
Und? Wer zahlt's? - Die Sendereihe über Hintergründe und Zusammenhänge in Wirtschaft und Wirtschaftspolitik (Bild KI-generiert), von und mit Prof. Dr. Dr. Helge Peukert und Ulrich Seibert

Und? Wer zahlt’s?

Eine Sendereihe von und mit Postwachstumsökonom Prof. Dr. Dr. Helge Peukert und Buchautor Ulrich Seibert
Sendung am Mittwoch, 16.09.2026 um 21:00 Uhr.

Wiederholungen: Do., 17.09., 06:00 Uhr und 15:00 Uhr (DAB+ und Livestream), Sa., 19.09., 20:00 Uhr und So., 20.09. um 11:00 Uhr (beide nur im Livestream)


„Externe Effekte“ – das hört sich nach abstrakter Theorie an … und das ist es auch. Aber es ist wirtschaftswissenschaftliche Theorie mit Explosivkraft, Theorie, die man in der Praxis argumentativ insbesondere gegen Protagonisten des Kapitalismus selbst einsetzen kann. Worum geht es dabei?

Von „externen Effekten“ spricht man dann, wenn jemand Schäden für die Allgemeinheit verursacht, um ein privates Ziel zu erreichen. Dieser „Jemand“ „externalisiert“ Kosten, die er nach dem Verursacherprinzip eigentlich tragen müsste, auf die Allgemeinheit, er lagert sie quasi aus – und kann so seine eigenen Profite meist massiv erhöhen … oder „im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben“, wie die Verursacher das so gerne framen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Fabrik, die Schadstoffe ausstößt und mit diesen Mensch und Natur schädigt. Die gesundheitlichen „Kosten“ oder die Kosten der Beseitigung / Reparatur dieser Schädigung trägt jedoch die Allgemeinheit. Eben diese Fabrik bewirkt aber umgekehrt auch positive externe Effekte, indem sie Arbeitsplätze anbietet, die regional für Einkommen sorgen.

Auch wenn der Begriff der externen Effekte erst von Arthur Cecil Pigou geprägt wurde, so wurde ihre Existenz bereits vom ersten Volkswirtschaftler überhaupt, Adam Smith (vergleiche dazu die Sendung vom 17.6.2026) erkannt und analysiert, aber auch beispielsweise von Karl Marx, der – ohne den Begriff, der, wie gesagt, erst hundert Jahre später geprägt wurde, zu verwenden – zu dem Ergebnis kam, dass externe Effekte dem Kapitalismus systemimmanent wären und dass dadurch überhaupt erst die hohen Profite ermöglicht werden würden.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die Fragen:

  • Sind externe Effekte ein Ausdruck von Marktversagen oder von Abwesenheit von Markt?
  • Wie kann man die nachteiligen Auswirkungen externer Effekte in den Markt einbringen und so dem Verursacherprinzip wieder Geltung verschaffen, ohne das Marktprinzip zu verletzen?

Die Antwort, die Pigou darauf gefunden hat, lautet: Die Pigou-Steuer. Das ist im Prinzip eine Steuer, die externe Effekte „internalisieren“ soll, indem die Kosten der Schädigung den Verursachern auferlegt werden. Beispielsweise umweltschädliches Verhalten würde damit die Produkte, die damit erzeugt werden, massiv verteuern, denn der Produzent muss diese Steuer nun in seine Preiskalkulation mit einbeziehen, wenn er keine Verluste machen möchte. Wenn diese Produkte dann neben billigeren, weil umweltschonend hergestellten und von der Pigou-Steuer nicht betroffenen Konkurrenzprodukten bestehen müssen, werden sie es schwer haben auf dem Markt. Oder umgekehrt würde damit ein Wettbewerbsvorteil, den ein Umweltschädiger im Gegensatz zu einem umweltbewusst arbeitenden Produzenten hätte, aufgehoben werden, mit der Konsequenz, dass das umweltfreundliche Produkt nunmehr konkurrenzfähig wäre. Klassische Beispiele für eine Pigou-Steuer sind (oder – genauer gesagt – könnten sein) Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Zuckersteuer etc.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Atomkraft, die von ihren Protagonisten künstlich billig gerechnet wurde, indem die externen Effekte (z.B. die immensen Kosten der Zwischen- und der – noch ungelösten – Endlagerung; oder auch die quasi unkalkulierbaren Kosten, die bei einem GAU anfallen) schlichtweg ganz bewusst außen vor gelassen wurden. Hier der Link zu einer Studie (aktualisierte Fassungzu den Kosten von Strom, der insofern nicht mehr ganz aktuell ist, als die Atomstromversorger mittlerweile (2017) 24,1 Mill. € in den staatlichen KENFO-Fonds einbezahlt haben, aus dem die „externen Effekte“ bezahlt werden sollen. Näheres dazu in der Sendung.

Insbesondere der Postwachstumsökonom Prof. Dr. Dr. Helge Peukert, der diese Sendung mit betreut, geht in der Diskussion sogar noch einen Schritt weiter: Mit dem aus der gutbürgerlichen Ökonomie stammenden Konzept der „externen Effekte“ lässt sich mittlerweile sogar der immer weiter vorwärts stürmende Kapitalismus insgesamt infrage stellen, weil die Grundvoraussetzung dieses Systems ein ständiges Wachstum ist, mit systemimmanent kaum in den Griff zu bekommenden Umweltbelastungen und Ressourcenverzehr. Angesichts der fortschreitenden Zerstörung der lebensbedingenden Biosphäre bewegen sich die „externen“ Kosten des weltweiten Real-Kapitalismus in Richtung „unendlich“. Eine Internalisierung würde dann eine radikale Systemtransformation erfordern. Das ist der tabuisierte Hauptwiderspruch der Gegenwart.

Podcast-Version (ohne Musik) der Sendung „Externe Effekte“ vom 16.9.2026; Laufzeit: 52 min.
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Redaktion "Die Diktatur des Monetariats"