Das social Distel-Ding – 3. Teil – Lernt den Wert von Care-Work kennen

Mrz 27th, 2020 | By | Category: Multi und Kultur, Podcasts Aktuell, Politik, Wirtschaft und Soziales

Neuigkeiten vom social Distel-Ding, Teil 3

Und weiter geht‘s mit social distancing. Plötzlich stellen wir wieder fest, dass on demand nicht besser ist als lineares Radio oder Fernsehen. Netflix, Mediatheken und Podcasts liefern eine riesige Auswahl an Unterhaltung, aber das live-Programm erlebt wieder einen Aufschwung. Denn irgendwie wollen die social Distel-Dinger ja doch noch Menschen hören und sehen, die die gleiche Realität durchleben wie sie selbst gerade. Oder, härter formuliert, von denen sie sicher sein können, dass sie noch leben.

Besonders nachdem heute die Nachricht rumgeht, dass der erste Prominente an Covid-19 verstorben ist. Mark Blum, wie der 69 Jahre alt gewordene Schauspieler heißt, war kein ganz großes Licht in Hollywood sondern eher ein Off-Broadway Schauspieler. Sein Gesicht könnten die meisten dennoch von seinen Nebenrollen wiedererkennen.

Gerade die Fälle von verstorbenen Prominenten zeigen, warum auf diese Krise so viel stärker reagiert wird als auf die Grippe. Es ist eben nicht nur die Verbreitung und die schwere des Verlaufs. Es liegt auch darin begründet, dass Mensch sich nicht schützen kann, egal wie sehr er oder sie möchte. Es gibt noch keine Impfung. Jede und jeder kann an Covid-19 erkranken und potentiell sterben. Ganz egal wie viel Geld oder Macht oder Ansehen man hat. Das erleben auch Boris Johnson und Friedrich Merz. Und wer, wie dieses social Distel-Ding, schon mal kurzzeitig gedacht hat, dass sie oder er selbst an dem Virus erkrankt ist, verkneift sich bei dieser Nachricht auch jegliche Schadenfreude. So sehr Mensch die politischen Äußerungen und Handlungen dieser beiden Machtpolitiker auch verachten mag, in der aktuellen Situation sind sie auf sich selbst zurückgeworfen und mit ihren Ängsten konfrontiert. Einfache Männer im Angesicht einer tödlichen Gefahr. Arme Würstchen.

Wobei, ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Schließlich merkt man hier, dass das Virus zwar keinen Unterschied macht, aber das Gesundheitssystem schon. Denn während Boris Johnson und Friedrich Merz wahrscheinlich nicht um einen Test betteln mussten, gibt es überall Menschen die Symptome zeigen und in Telefon-Warteschlangen hängen. Alleinerziehende Mütter die hustend und mit Fieber am Telefon hängen und zugleich Kinder betreuen und beaufsichtigen müssen.

So viel wie gerade über die Überlastung des Gesundheitssystems gesprochen wird, sollte diese Leistung und Überlastung nicht vergessen werden.

Diese Art der Arbeit nennt man neu-deutsch Care-Work. Sich kümmern, pflegen, aufräumen, alles machen was anfällt, damit sich die Probleme zuhause nicht aufstauen. Natürlich unbezahlt. Damit weiter Geld verdient werden kann. Und auch wenn gerade wieder viele social Distel-Dinger die Freude am Putzen wiederfinden, ist diese unbezahlte Arbeit kein Hobby, das aufgenommen und wieder fallen gelassen werden kann. Es ist eine elementare Aufgabe um die Gesellschaft und die Wirtschaft am Laufen zu halten. Und mit dieser Aufgabe sind gerade unzählige allein. Die Großeltern dürfen die Enkel nicht mehr nehmen, die Kitas und die Schulen haben zu, und eventuell gibt es auch noch einen Arbeitgeber, der Urlaubstage abzieht, weil mit Kindern kein produktives Arbeiten im Homeoffice möglich ist.

Natürlich wird gerade sehr viel nach Solidarität gerufen, vom Klatschen und vom Singen gesprochen, aber das hier soll kein Aufruf dafür werden. Viel mehr bitte ich alle social Distel-Dinger, die gerade wieder das Putzen und die Kindererziehung, das sich Kümmern und das für einander da sein, das Wäschewaschen und die Körperhygiene der Kinder wiederentdecken, sich zu überlegen wie viel Arbeit das ist und was sie der Gesellschaft wert sein sollte. Jetzt haben alle social Distel-Dinger die Möglichkeit es mal selbst zu erleben. Bemesst es und gebt dieser Arbeit einen Preis. Diesen sollte die Gesellschaft in Zukunft aufbringen können, damit diese Leistungsträger nicht mehr in Altersarmut und prekärer Beschäftigung landen. Es bleibt ein Dank an alle Eltern, an alle Alleinerziehenden, an alle Pflegekräfte und das medizinische Fachpersonal, an alle unbesungenen Heldinnen und Helden dieser Zeit!

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