Redakcja POLONIUM – 80. Jahrestag des Massakers von Katyn

Im April 1940 wurden ca. 15.000 polnische Offiziere vom sowjetischen Geheimdienst ermordet und im Wald von Katyn verscharrt. Die Sowjetunion war zu diesem Zeitpunkt nicht im Krieg mit Polen, sondern hat am 17.9.1939 Polen überfallen und im Rahmen des Hitler-Stalin Pakts einen Teil des polnischen Territoriums besetzt. Nach einer gemeinsamen Militärparade von Wehrmacht und der Roten Armee in Brest am 22.9.1039 erfolgte ein Gefangenenaustausch – einfache Soldaten wurden nach Deutschland geschickt und Offiziere an die Sowjetunion ausgeliefert und in drei Speziallagern in Kozielsk, Ostaschkow und Starobielsk festgesetzt. Am 5.3.1940 beschloss der Oberste Sowjet dass die polnischen Offiziere einer „Sonderbehandlung“ zugeführt werden: die „Höchststrafe“ soll „ohne Vorladung der Angeklagten, ohne Verlesung der Anklage, und ohne Verkündung des Beschlusses“ vollstreckt werden. Damit sollte die Elite der Wiedergegründeten 2. polnischen Republik eliminiert werden
Im April 1940 wurden die Offiziere in Einrichtungen des sowjetischen Geheimdienstes NKWD per Genickschuss von hinten ermordet und in Massengräbern bei Katyn verscharrt. Der Massenmord wurde in den folgenden Jahren zum Gegenstand gegenseitiger Schuldzuweisungen zwischen Deutschen und Russen – auf dem Rücken polnischer Familien. Im Rahmen des Russlandfeldzuges hat die Wehrmacht 1941 das Gebiet von Smolensk erobert und die Massengräber entdeckt. Eine internationale Kommission hat danach festgestellt, dass die Polen von den Sowjets erschossen wurden.
Als die Rote Armee Smolensk im Jahr 1943 zurückerobert hat, wurde durch eine sowjetische Kommission der Massenmord den Deutschen angelastet und das Erschiessungsdatum auf 1941 festgelegt – dies wurde damals übrigens auch zur offiziellen Version der Allierten (USA und UK). Bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg wurde die Anklage wegen des Massakers von Katyn zunächst erhoben, allerdings später wegen schwacher Beweislage fallengelassen.
Im Kalten Krieg hat das US Repräsentantenhaus 1952 einen Untersuchungsausschuß zu Katyn eingesetzt, hat auch zahlreiche Zeugen in Europa vernommen und eine Anklage der Sowjetunion vor der UNO vorbereitet – allerdings kam es nicht mehr dazu, da 1953 Stalin gestorben ist und kurz darauf auch der Geheimdienstchef Berija hingerichtet wurde. Im Ostblock war das Massaker von Katyn aber weiterhin zum Politikum geworden, Familien konnten nicht offiziell um ihre Angehörigen trauern, sogar die Aufstellung einer Grabestafel mit der Innschrift „gestorben in Katyn 1940“ war unter Strafe gestellt. Erst Boris Jelzin hat die Geheimakten des NKWD an Polen übersandt, zur endgültigen Klärung des Massenmordes beigetragen und die Schuld der Sowjetunion eingestanden.
https://ipn.gov.pl/download/2/21087/TheKatynMassacre210x210.pdf