
Peter Sloterdijk hat die modernen Gesellschaften als Sorgen- und Erregungsgemeinschaften beschrieben, die zum Selbsterhalt darauf angewiesen seien, sich eine permanente gemeinsame Unruhe zu bewahren.
In der Tat befindet sich die Öffentlichkeit in einem mehr oder weniger andauernden Erregungszustand: Klimawandel, Naturkatastrophen, Terrorismus, Nahostkonflikt, Energieversorgung oder Pandemie sind Bestandteile einer ausgeprägten Krisenwahrnehmung.
Auch der Krieg Russlands gegen die Ukraine hält die Menschen in Deutschland und Europa nicht nur in Atem, sondern versetzt sie in Alarmismus und offenbar zunehmend in Hysterie. Eine fundierte wissenschaftliche und politische Analyse allerdings fehlt bisher ebenso wie eine offene Debatte darüber, worauf genau und mit welchen Mitteln überhaupt zu reagieren wäre. Stattdessen dominiert das Denken in Worst-Case-Szenarien, das Frontstellungen verstärkt und offenbar keinen anderen Gedanken zulässt als den der massiven Aufrüstung.
Klaus Schlichte ist Professor für Internationale Beziehungen und Politik in der Weltgemeinschaft an der Uni Bremen. Wir unterhielten uns mit ihm über die ineinandergreifenden Logiken, an denen er die gegenwärtige politische Hysterie festmacht: an der Wissenschaft, den Medien und den Populismus innerhalb der Regierungen und den EU-Institutionen.
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