Zins & Zinseszins

Und? Wer zahlt's?
Und? Wer zahlt's? - Die Sendereihe über Hintergründe und Zusammenhänge in Wirtschaft und Wirtschaftspolitik (Bild KI-generiert), von und mit Prof. Dr. Dr. Helge Peukert und Ulrich Seibert

Und? Wer zahlt’s?


„Zinsen sind des Teufels!“ – Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man nachliest, was die monotheistischen, abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) zum Thema sagen. Im Deuteronomium 23,20 im Alten Testament heißt es beispielsweise: „Du darfst von deinem Bruder keine Zinsen nehmen: weder Zinsen für Geld noch Zinsen für Getreide noch Zinsen für sonst etwas, wofür man Zinsen nimmt. 21Von einem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, von deinem Bruder darfst du keine Zinsen nehmen“
Der Koran, Sure 2,275 sagt: „Diejenigen, die Zins nehmen, werden (dereinst) nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist (so dass er sich nicht mehr aufrecht halten kann). Dies (wird ihre Strafe) dafür (sein), dass sie sagen: ‚Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.‘ Aber Gott hat das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten.

Jesus zeigte sich im Neuen Testament angesichts der Verzinsung von Geld schon deutlich entspannter („Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen“ [Matthäus 25,27]). Oder aber, der Standpunkt variiert, wie so oft, je nachdem, ob man Zinsen zu bekommen oder zu bezahlen hat; warum sollte ein Gottessohn da auch die große Ausnahme bilden?

Gleichwohl, die Kirche verbot im Mittelalter Zinsgeschäfte. Ausgenommen von diesem Verbot waren Juden, die dadurch gleichsam in die Rolle von Finanzdienstleistern gedrängt wurden – was ihnen später zum Verhängnis wurde. Denn im Nationalsozialismus wurde die Parole der „Brechung der Zinsknechtschaft des Finanzjudentums“ ausgegeben.

Doch auch von links kommt Kritik am Zins: Zins und Zinseszins seien maßgeblich schuld an der immer weiter aufklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Dass die Milliardäre aber ausgerechnet in der Corona-Zeit, in der die EZB Negativzinsen erhob, einen besonderen Vermögenszuwachs erlebten, dürfte diesem Narrativ die Grundlage entzogen haben, zumal Reiche überwiegend durchaus Anlagestrategien fahren, die von niedrigen Zinsen profitieren.

Und wenn Zinsen schon so übel sind … lässt sich dieses Übel angesichts des exponentiell wirkenden Zinseszinses offenbar noch toppen, kann doch Zinseszins eine Schuld mit der Zeit so stark anwachsen lassen, dass die Schuldner keine Chance mehr haben, diese Schuld jemals zu begleichen – ein optimales Werkzeug zur Versklavung von Menschen?

Oder???

Helge Peukert

Ulrich Seibert (Radio LORA) erörtert diese Thematik zusammen mit dem Postwachstumsökonom Prof. em. Dr. Dr. Helge Peukert. Sind Zins und Zinseszins tatsächlich nur ein marktwirtschaftliches Instrumentarium, um die knappe Ressource „Geld“ möglichst dorthin zu bringen, wo sie am profitabelsten eingesetzt wird? Oder gäbe es da geeignetere Alternativen und welche wären das?

Über Ulrich Seibert 77 Artikel
Redaktion "Die Diktatur des Monetariats"

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